Der Erste Weltkrieg und die Sommerzeit

Der Erste Weltkrieg hat einiges verändert. Trotzdem kommt er uns heute wie eine weit, weit entfernte Galaxie vor. Am heutigen Tag allerdings erleben wir alle ein Stück Erster Weltkrieg ganz hautnaht – und zwar mit einem Blick auf unsere Uhr.

Einführung der Sommerzeit von 1. Mai bis 30. September 1916 - Bessere Ausnützung des Tageslichtes - Ersparung an künstlicher Beleuchtung - Aufruf zur Einhaltung dieser Maßnahme - Wien, am 26. April 1916 - Vom Wiener Magistrate, als politischer Behörde I. Instanz - M.D. 2683 ex 1916.
Kundmachung aus Österrreich. (Bild: Österreichische Nationalbibliothek)

Die seit heute früh herrschende Sommerzeit wurde nämlich in Deutschland erstmalig zum 1. Mai 1916 eingeführt, um Energie zu sparen und das Tageslicht besser zu nutzen. Eine Maßnahme, die verdeutlich, dass es sich um einen totalen Krieg handelte, in dem das Alltagsleben der Bürger systematisch dem Krieg untergeordnet wurde. Die Bevölkerung war durch öffentliche Aushänge entsprechend angehalten, ihre Lebensführung der neuen Zeit anzupassen. Tat sie es nicht, drohten ihr behördliche Sanktionen.

Am 26. April 1916 notierte der damals 10-jährigen Eduard Mayer aus Nürnberg in sein Kriegstagebuch:

Vom ersten Mai ab soll die jetztige Uhrzeit um eine Stunde verschoben werden, das nennt man die neue Sommerzeit oder den neuen Zeitgeist.

Und am 1. Mai:

Die neue Sommerzeit beginnt und dauert bis 15. September. Nun sind alle Uhren um eine Stunde vorgedreht, und wenn man meint, es ist neun Uhr, dann ist es erst acht Uhr. Und wenn die Schule um acht Uhr beginnt, so ist es erst sieben Uhr früh. Das ist eine arglistige Täuschung, sagt Papa.
In Geschäften gibt es eigene Sommerzeitpostkarten und steht dieses Gedicht drauf:

 Erfinderisch ist jetzt die Welt,
Sie spart an Fleisch, an Brot, an Geld
Auch nötig ist zu unserem Sieg,
Daß man spart Licht und Zeit im Krieg.

Weil die Sommerzeit bei der Bevölkerung so unbeliebt war, wurde sie nach dem Ersten Weltkrieg sofort wieder abgeschafft. Im Zweiten Weltkrieg kam sie dann zurück und blieb bis 1949. Zwischen 1950 und 1979 blieb Deutschland von der Sommerzeit verschont. 1980 wurde sie wieder eingeführt und seitdem beginnt sie am letzten Sonntag im März und dauert bis zum letzten Sonntag im Oktober.

An ihrer Unbeliebtheit hat sich seit dem Ersten Weltkrieg allerdings nichts geändert.

Enkel von Franz Mack. Studierter Historiker, ausgebildeter Journalist, Blogger und Autor. Dreht Filme als dervideograf.de.

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