Infanterist Franz Mack Erster Weltkrieg

Franz Mack (*1894 – ✝1981)

  • geboren als Franz Konrad Mack am 04.12.1894 in Nürnberg als zweites von neun Kindern von Schuhmachermeister Karl Mack (*26.02.1863, ✝22.03.1936) und Margarethe Mack, geborene Wehner (*07.02.1869, ✝18.08.1938)
  • Geschwister: Marie (*05.12.1892, ✝19.07.1968), Alois (*29.06.1896, ✝28.11.1969), Hans (*23.08.1900, ✝06.12.1973), Margarete („Grete“) (*16.08.1905, ✝16.08.2000) und Karolina („Lina“) (*25.01.1908, ✝03.09.1980) – drei weitere Geschwister sind im Kindesalter verstorben
  • 1901 – 1911: Werktags- und anschließend Knaben-Fortbildungsschule in Nürnberg
  • 1908 – 1911: Schumacherlehre im Betrieb des Vaters, anschließend Angestellter dort
  • 1912 – 1928: Lederzuschneider bei den Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken (später Vereinigte Schuhfabriken Berneis-Wessels A.G.)
  • 01.10.1914 – 31.07.1918: Militärdienst bei der 5. Königlichen Bayerischen Infanterie-Division, 21. Infanterie-Regiment, 4. Kompanie (Garnisionsstanort: Fürth). Als Infanterist war Franz Mack an der Westfront eingesetzt. Seiner Division übergeordnet war: Das III. Königlich Bayerische Armee-Korps, welches in der 6. Armee aufging und der Heeresgruppe „Kronprinz Rupprecht“ zugeordnet war (ab August 1916). Im Laufe seines Einsatzes diente Franz auch als „Bursche„.
    Im Militärpass ist vermerkt:
    11.02.1915 – 06. 10.1915: Auf den Höhen von Apremont
    08.10.1915 – 21.10.1915: Herbstschlacht in der Champagne
    26.11.1915 – 06.12.1915: Stellungskämpfe in der Champagne
    10.12.1915 – 23.05.1916: Kämpfe zw. Maas u. Mosel, im Wald von Apremont
    24.05.1916 – 16.07.1916: Kämpfe zw. Maas u. Mosel, im Wald von Ailly
    18.07.1916 – 02.09.1916: Stellungskämpfe im Artois
    05.09.1916 – 23.09.1916: Schlacht an der Somme
    24.09.1916 – 01.05.1917: Stellungskämpfe in franz. Flandern
    02.05.1917 – 08.05.1917: Frühlingsschlacht a. Arras (schwer leserlich)
  • 14.10.1916: Verleihung des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse
  • 08.05.1917: Verletzung der Nervenwurzel des Rückenmarks (Kreuzbein) mit Blasenlähmung durch deutsche Granate beim Infanterieangriff auf Fresnoy. Anschließend 16 Monate Lazarett und lebenslange Behinderung.
  • 15.02.1918: Verleihung des bayerischen Militärverdienstkreuzes dritter Klasse mit Schwertern
  • 11.03.1918: Verleihung des Verwundetenabzeichens
  • 1919: Heirat mit Babette Kathrine Lindner, genannt Käthe (*02.04.1896, ✝02.11.1946)
  • 1927: Erwerb des sogenannten Beamtenscheins (demnach konnte Franz Mack als Kriegsbeschädigter nicht mehr handwerklich arbeiten und hatte somit das Recht eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen)
  • 1928: Anstellung als Kanzleiassistent im Stadtrat Nürnberg
  • 1929 – 1933: Mitglied der SPD
  • 1931: Prüfung für den mittleren Staats- und Gemeindeverwaltungsdienst an der Bayerischen Verwaltungsschule
  • 1932: Ernennung zum Stadtratsoberassistenten des Nürnberger Stadtrates
  • 1934: Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer
  • 1937: Ernennung zum Stadtsekretär der Stadt Nürnberg
  • 1938: Ernennung zum Städtischen Verwaltungsinspektor der Stadt Nürnberg und zum Beamten auf Lebenszeit
  • 1947: Heirat mit Kätha Pfister (*04.04.1927)
  • 07.03.1948: Geburt des einzigen Sohnes Karl Heinz Mack
  • 1950: Ernennung zum Städtischen Verwaltungsoberinspektor
  • 1960: Beginn der Rente
  • ✝05.11.1981 in Nürnberg

Franz Mack – ein Menschenleben im Aktenordner, oder:

Gedanken des Enkels

Fotografie Erster Weltkrieg
Franz Mack (sitzend) als Soldat.

Ich kenne Franz Mack nicht, habe ihn nie getroffen. Gestorben ist Franz Mack fast genau drei Jahre vor meiner Geburt. Alles was ich von meinem Opa bisher wusste, stammte aus Erzählungen meiner Oma, Käthe Mack, oder von meinen Eltern. Opas Gesicht kenne ich nur von alten Fotografien, überwiegend in schwarz-weiß. Zu sehen war da ein meist schon älterer Herr mit etwas pausbackigem, aber freundlichem Gesicht, aus dessen Augen es stets zu funkeln schien. Ich glaube es existiert sogar eine kurze Videosequenz, aufgenommen auf einem Familienfest, die meinen Opa Franz für den Bruchteil von Sekunden zeigt. Und ich kannte das Kriegsalbum von Opa, das mich seit Kindheitstagen fasziniert. Auf einigen dieser Bilder aus einer längst vergangenen Zeit ist ein Opa Franz in jungen Jahren zu sehen. Näher bin ich meinem Großvater nie gekommen.

Gewissenhafter Sammler

Neben dem Kriegsalbum gab es da noch eine Kiste voller Orden und Ehrenabzeichen aus Kriegs- und Nachkriegszeit. Außerdem existierte ein dicker Aktenordner mit Dokumenten von Opa Franz Mack. Genauer hineingeschaut in Postkarten und Aktenordner habe ich erst jetzt im Zuge meiner Arbeiten zu OpasKrieg.de

Die oben angeführten Lebensstationen vermitteln ein erstes Bild von der Person Franz Mack. Die im Aktenordner aufgehobenen Dokumente lassen aber genauere Rückschlüsse darauf zu, welche Art von Mensch mein Großvater Franz wohl gewesen ist.

Gewitzt, streitbar und opportunistisch

Franz Mack
Opa Franz (ganz links) in den 20er Jahren.

Dass mein Opa den sprichwörtlichen Schalk im Nacken hatte, weiß ich von meiner Oma und von meinen Eltern. Ich schätze, dass die Art des Humors, die meinem Vater zu eigen war, auf dessen Vater zurückgeht. Wenn Opa Franz das französische Städtchen Bouillonville in seinen Feldpostkarten mit „Fleischbrühstadt“ übersetzt oder er es für nötig hält eine Strafanzeige wegen Badens im Ludwigs-Donau-Main-Kanal von 1927 als eine Art „Trophäe“ aufzuheben, werte ich das als Anzeichen dafür, dass für ihn das Leben auch aus Spaß bestand.

Ehrenurkunden und -medaillen über jahrzehntelange Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden (Gewerkschaft ÖTV, Bayerischer Industriellenverband, Bayerischer Landessportverband, Deutscher Kanarienzüchterbund) zeugen von treuem Engagement. Dokumente über seine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft zu Zeiten, in denen er noch als Lederzuschneider in einer Schuhfabrik gearbeitet hat plus die Gründung eines Rentenvereins für die Arbeiter zeigen, dass es sich bei Franz Mack wohl um einen streitbaren, für seine Vorgesetzten nicht immer bequemen Zeitgenossen gehandelt haben muss.

Als Beweis hierfür kann auch die Tatsache herangezogen werden, dass Opa Franz seine Kriegsverletzung gekonnt eingesetzt hat, um seinen Status zu verbessern und Beamter zu werden. Für einen so genannten „Beamtenschein“, der ihm diese neue Laufbahn eröffnet hat, hat er nachweislich vor Gericht gestritten.

Schatten der Nazizeit

Franz Mack
Opa Franz (Mitte, schwarzer Anzug) vermutlich in den 50er Jahren mit Verwaltungskollegen.

Auch wenn es für OpasKrieg.de nicht von Bedeutung ist, so habe ich mich doch auch dafür interessiert, welche Haltung mein Opa als Veteran des Ersten Weltkriegs zu den Nationalsozialisten hatte. Schließich war er Beamter in Nürnberg, der „Stadt der Reichsparteitage“ Hitlers.

Nach allem, was die Dokumente hergeben, brauche ich mich für meinen Großvater nicht zu schämen: Seine Vergangenheit als Betriebsrat und Gewerkschaftmitglied, sowie seine Mitgliedschaft in der SPD (1929-33) wurden für meinen Opa unter den Nazis zum Problem. Eine erhaltene Rechtfertigungsschrift in Briefform an den Oberbürgermeister gibt Zeugnis davon.

Mitglied der NSDAP wurde er nie. Allerdings war er Mitglied eines nationalsozialistischen Schützenvereins, des Reichsbundes Deutscher Beamter, der NSV und der NS-Kriegsopferversorgung. Um einen Einsatz im „Volkssturm“, Hitlers letztem Aufgebot, kam er Ende 1944/1945 als Verwaltungsbeamter nach Verfügung des Bürgermeisters herum.

Als von der Vergangenheit „unbelasteter“ Verwaltungsfachmann konnte Franz Mack deshalb auch in der Bunderepublik Karriere machen und bis zum Leiter des Marktamtes der Stadt Nürnberg aufsteigen.

Christian Mack

Enkel von Franz Mack. Studierter Historiker, ausgebildeter Journalist, Blogger und Autor. Dreht Filme als dervideograf.de.

6 comments On Biografie Franz Mack

  • Hallo Christian,
    sehr schön und gut gestaltete Webseite. Erfrischend jung und klar wie du die 100 Jahre alten Ereignisse darstellst. Ein kurzweiliger und leichter Einstieg in das Leben deines Opas. Gute Recherchen auch weit über die zahlreichen Materialien hinaus, die du vorgefunden hast. Weder verherrlichend oder wertend oder alte Feindbilder bedienend, das gefällt mir besonders und ist wohl erst mit großem Abstand möglich. Das könnte auch ein Franzose deines Alters lesen ohne ungute Gefühle auf die Deutschen zu bekommen.

    Ich kann mir vorstellen, wieviel Arbeit dahinter steckt, denn auch mein Großvater Nikolaus Stürzl aus Lenting bei Ingolstadt war in der bayerischen Armee im 1. Weltkrieg und ich habe seine Geschichte über die Kriegstammrollen nachvollzogen und in einem Buch über meine väterliche Familie festgehalten.
    Auf opaskrieg.de bin ich erst durch den Grimme-Preis aufmerksam geworden. Gratuliere Dir!

    • Hallo Heinrich!
      Danke für die netten Worte und das Lob, über das ich mich natürlich besonders freue! 🙂
      Das Buch über Deinen Großvater würde mich natürlich auch brennend interessieren! Werde gleich mal googlen, ob ich was finde – wenn nicht, meld ich mich 😉
      Beste Grüße
      Christian

  • Sehr geehrter Herr Mack,
    wirklich hochinteressant, auch mein Opa Albert Gröner 1897 – 1979 war im ersten Weltkrieg aktiver Soldat, erst an der Ost-, dann an der Westfront.

    MFG. Wolfgang Gröner

    • Lieber Herr Gröner,
      danke für den Besuch auf opaskrieg.de!
      Falls es noch Aufzeichnungen aus dieser Zeit von Ihrem Großvater gibt, sollten Sie diese in Ehren halten! 😉
      Beste Grüße
      Christian Mack

  • Hallo Christian,

    ich finde es ganz toll, dass du deinem Opa ein Denkmal gesetzt hast. Selbst wenn man sich für Geschichte interessiert und es studiert hat – so wie ich – erfährt man viel zu wenig aus erster Hand über Einzelschicksale, gerade von Soldaten, die man immer eher als „Kollektiv“ kennt und kaum noch als einzelne Menschen wahrnimmt. Die Postkarten zeigen für mich, wie sich Opa Franz durch den Kontakt zu seinen Eltern ein Stück Normalität bewahrt hat in diesem Schützengraben-Leben.

    Leider interessieren sich nur wenige aus unserer Generation für das, was unsere Großeltern erlebt haben – obwohl sie alle Geschichten zu erzählen haben, die dadurch, dass sie einen, manche auch zwei, Weltkriege erlebt haben, ganze Bücher füllen könnten.

    Drei meiner vier Großeltern leben noch und ich habe mir schon öfter überlegt, sie ihre Geschichte auf Video erzählen zu lassen, um das für meine Nachkommen und die Nachwelt festzuhalten, denn für die werden die Zeiten der Weltkriege ja noch abstrakter, weil weiter weg, werden. Du mit deiner Seite hast mich motiviert, das in Angriff zu nehmen, solange ich noch die Zeit dazu habe.

    Liebe Grüße und Daumen hoch!
    Elsa

    • Hi Elsa,
      danke für Deinen Kommentar und die lieben Worte 🙂
      Manchmal sind mir die Inhalte der Karten fast schon „zu normal“: Ich glaube Opa Franz wollte seine Verwandten zu Hause nicht mit etwas belasten, was er vielleicht selber nur schwer verarbeiten konnte.
      Wenn man Romane wie „Im Westen nichts Neues“ oder „Heeresbericht“ liest, dann finde ich es unvorstellbar, wie ein Frontsoldat nach allen Erlebnissen, die er gemacht hat, überhaupt wieder in ein bürgerliches/ziviles Leben finden konnte.
      Den Gedanken mit der Videodokumentation finde ich gut – den hatte ich auch schon mal! Die Frage ist natürlich, ob da Oma und Opa auch selber Lust drauf haben 😉
      Tu das aber auf jeden Fall, denn in der Regel interessiert man sich leider erst für die Geschichte der Eltern/Großeltern, wenn die nicht mehr da sind (ich spreche da aus Erfahrung)!
      LG
      Christian

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