Ahnen als Kriegsteilnehmer: 5 Tipps zur Suche

Mein (Ur-)Opa war auch im Ersten Weltkrieg – wie kann ich mehr über sein Kriegsschicksal herausfinden?

Da es hin und wieder vorkommt, dass man mich per Mail oder über facebook um Hilfe bei der Suche nach einem Ahnen fragt, der im Ersten Weltkrieg gekämpft hat, habe ich mich entschlossen, diese kleine Sammlung nützlicher Tipps zu verfassen.

Ganz ehrlich: Am Anfang hatte ich selber keine Ahnung, an welche Stellen ich mich wenden konnte, oder wo ich nach bestimmten Informationen suchen musste. Und so rannte ich auf der Suche nach Opa Franz auch in die ein oder andere Sackgasse. Auch jetzt lerne ich immer wieder aufs Neue dazu, wenn ich eine Anfrage an eine bestimmte Adresse richte und dann erfahren, dass ich dort völlig falsch bin. Aber auch das ist kein Beinbruch, denn in der Regel bringt einen der Misserfolg bei der Ahnenforschung auch weiter. Die inoffizielle erste Regel lautet also: Einfach drauflos fragen – was soll schon schiefgehen?

5 Tipps für faule Ahnenforscher

Bevor ich mit meiner Liste loslege, noch ein paar Anmerkungen zu ihr: Obwohl ich als studierter Historiker mit der Funktionsweise von Archiven vertraut bin, bin ich doch im Grunde eine faule Socke. Denn als digital native glaube ich daran, dass Wissen und Quellen online verfügbar sein sollten.

Wer seine Nachforschungen nach Opa oder Ur-Opa im Ersten Weltkrieg also gerade erst beginnt, möchte sicherlich erst einmal von zu Hause bzw. von seinem Computer aus forschen, bevor er sich in Auto, Bus oder Bahn setzt, die Reise zu einem Archiv antritt und dort staubige Dokumente wälzt. Die Aussicht darauf ist abschreckend und unsexy – also sehen wir uns doch erst mal im Netz um und schauen, was das www für uns tun kann!

Vorbereitung: Vorhandene Quellen zusammentragen

Bevor man das www mit Daten zum gesuchten Ahnen füttern kann, muss man über diese natürlich erst mal verfügen. Deshalb guckt euch mal auf dem Dachboden oder im Keller um: Welche Dokumente über den Gesuchten gibt es aus der Kriegszeit? Ist ein Militärpass oder ein Soldbuch vorhanden? Gibt es Fotos, Briefe, Postkarten oder gar ein Kriegstagebuch? Sind Orden erhalten? Gibt es weitere Unterlagen, die Rückschlüsse über Kriegseinsätze geben, wie z.B. Bescheinigungen über Invalidenrente oder ähnliches? All das sind vorzügliche Quellen und wenn man über sie verfügt, ist der Einstieg gemacht.

Soldbuch & Militärpass
Soldbuch und Militärpass von Franz Mack.

Manchmal hat man diese Quellen aber nicht. Dann lohnt es sich, im Familienkreis gezielt danach zu fragen: Hat vielleicht Omas Schwester noch etwas aufgehoben, oder entferntere Verwandtschaft, zu der man vielleicht sonst weniger Kontakt hat?

Und wenn wir schon dabei sind: Bitte nicht die „oral history“ vernachlässigen! Fragt Oma, Vater, Tanten, Brüder eures gesuchten Ahnen nach Geschichten – auch wenn ihr glaubt, schon alle ollen Familienkamellen auswendig zu kennen – auf manche Aspekte, die euch jetzt interessieren, hab ihr vielleicht in bereits bekannten Geschichten früher nicht so sehr geachtet. Jetzt können sie euch vielleicht neue Türen aufstoßen! Auch im Wohnort des Ahnen lohnt es sich eventuell ältere Bewohner nach Erinnerungen zu fragen, die mit dem Gesuchten nicht direkt verwandt sind. Manchmal kommen da auch erstaunliche Dinge zutage.

Denkt dran: Oft interessieren wir uns erst für unsere Ahnen, wenn diese nicht mehr da sind. Nutzt also jetzt die Chance, mit älteren Verwandten zu sprechen, solange ihr es noch könnt. Hinterher ärgert man sich umso mehr und wünscht sich, dass man sich doch bloß etwas mehr interessiert hätte…

1. Mitglied bei einem Ahnenforschungsportal werden

Ja, ich weiß: Das kostet Geld. Aber die paar lumpigen Kröten für einen Account bei ancestry, myheritage, familysearch oder einem anderen Portal zur Ahnenforschung können einen echt weiter bringen, wenn man es mit der Ahnenforschung ernst meint. Und zumeist kann man die Dienste solcher Portale über einen kostenlosen Probezeitraum kennenlernen, bevor man sich für (oder gegen) ein Abo entscheidet.

Auszug
Auszug aus der Kriegsstammrolle.

Ich persönlich benutze ancestry und habe dort mittlerweile meinen Stammbaum angelegt. Über das Programm habe ich beispielsweise Zugriff auf die Kriegsstammrolle, in der viele interessante Informationen zu Opas Kriegseinsatz zu finden sind (Gefechte, Auszeichnungen, Verletzungen, Dienstverhältnisse etc.) und die normaler Weise im Bayerischen Hauptstaatsarchiv lagert.

2. Ob gefallen oder nicht: Verlustlisten durchforsten

Egal ob euer Ahne den Krieg überlebt hat oder im Gefecht gefallen ist: Ein Blick auf die so genannten Verlustlisten lohnt sich immer. Denn diese Listen, die früher in Tagezeitungen veröffentlicht wurden, dokumentieren nicht nur den Tod eines Soldaten, sondern auch Verwundungen.

Hitler
Der Gefreite Hitler aus Braunau, Österreich.

Alles was es zur Suche braucht ist der Vor- und Zuname des Soldaten und am besten noch den Geburtsort – und schon spuckt die Software des Vereins für Computergenealogie Informationen aus – wie man hier am Beispiel der Kriegsteilnehmer Adolf Hitler oder Erich Maria Remarque sehen kann, der in diesem Fall mit seinem Geburtsnamen Erich Remark vermerkt ist.

3. Gräbersuche des Volksbundes nutzen

Leutnant Georg Kaul
Opas Kompanieführer, Leutnant Georg Kaul.

Ist der gesuchte Ahne auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs zurückgeblieben (also gefallen) und man weiß über den Verbleib seiner Überreste nichts, dann lohnt sich eine Online-Suchanfrage beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Auch hier sollten zumindest Vor- und Nachname des Gesuchten bekannt sein, am besten auch Geburtsdatum und/oder Geburtsort – das erleichtert die Suche.

Über die Gräbersuche des Volksbundes habe ich beispielsweise herausgefunden, dass der Kompanieführer meines Opas, zu dem er zwischenzeitlich eine enge Bindung gehabt zu haben scheint, auf dem Soldatenfriedhof im belgischen Vladslo begraben liegt (dort ist er vermutlich aber nicht getötet worden, der Friedhof ist erst nach dem Krieg in seiner jetzigen Form entstanden).

4. Rotkreuzakten auf Kriegsgefangenschaft prüfen

Ein weiterer Aspekt, den es sich zu überprüfen lohnt: Kriegsgefangenschaft. Hat der damalige Freind den gesuchten Ahnen in seine Gewalt gebracht?

Über eine Online-Suchabfrage des internationalen Komitees des Roten Kreuzes speziell für den Ersten Weltkrieg kann man in Erfahrung bringen, ob und wo Opa bzw. Uropa in Kriegsgefangenschaft geraten ist.

Danke an Christiane von erahnen.com für den Hinweis, auf dessen Grundlage ich diesen Artikel noch einmal überarbeitet habe!

5. In Regimentsgeschichte blättern

Möchte man wissen, welche Schlachten die Einheit des Ahnens geschlagen hat, empfiehlt es sich nach einer Regimentsgeschichte der Einheit Ausschau zu halten. In den 20er und 30er Jahren wurden – meist verfasst von einem ehemaligen Befehlshaber der Einheit – so genannte Erinnerungsblätter herausgebracht. Oft sind sie ein wenig völkisch-nationalistisch eingefärbt, allerdings geben sie doch eine sehr gute Quelle ab, wenn es um Gefechte und Geschichten rund um die Einheit geht. Oftmals beinhalten diese in Fraktur(schrift) gesetzten Erinnerungsblätter Fotografien und Landkarten, was sie noch interessanter macht.

Reg Gesch & Orden
Cover der „Erinnerungsblätter“ von Franz‘ „21ern“ mit Orden.

Man kann sie entweder als PDF über diese (optisch etwas seltsam anmutende) Seite beziehen oder man sucht bei ebay oder Online-Buchantiquariaten nach ihnen. Zwar ist der Erwerb eines physischen Exemplars deutlich teurer und oftmals mit einer längeren Suche verbunden, lohnt sich aber trotzdem sehr.

Was man sonst noch tun kann

Die genannten 5. Tipps sollten ein guter Einstieg sein und hoffentlich schon einiges an Informationen über den Ahnen im WW1 zutage fördern.

Als einen weiteren Schritt kann dann die Suche in einem Archiv folgen. Das Bundesarchiv hat beispielsweise ein paar nützliche Tipps zur Suche zusammengefasst und mit Hilfe dieses PDF kann man seinen Suchradius noch auf regionale Archive ausweiten.

Eine Anfrage beim Stadtarchiv der Geburtsstadt des gesuchten Ahnen oder ein Blick in die Archive der lokalen Zeitung können sich unter Umständen auch noch lohnen!

Wie eingangs bereits erwähnt: Fragen kostet nichts und alle Archivmitarbeiter, an die ich bisher geraten bin, haben auf meine Anfragen nett reagiert und gute Tipps gegeben – auch wenn sie mal nicht helfen konnten. Sollte das Archiv für einen Recherche-Ausflug zu weit entfernt sein, kann man auch nach Unterlagen suchen lassen. Dies kostet dann manchmal allerdings eine Gebühr. Im schlimmsten Fall kommt nichts dabei heraus.

Aber wenn man auf der Suche nach dem Kriegsschicksal des Ahnen einmal „Blut geleckt“ hat, kann man auch einen solchen Rückschlag verkraften – denn, wenn einem in der Ahnenforschung eine Tür vor der Nase zuschlägt, öffnet sich garantiert bald eine andere 😉

 

Enkel von Franz Mack. Studierter Historiker, ausgebildeter Journalist, Blogger und Autor. Dreht Filme als dervideograf.de.

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