Rückkehr im Lazarettzug

Nach seiner schweren Verwundung beim Sturm auf Fresnoy am 08.05.1917 wird Franz Mack laut Kriegsstammrolle zunächst drei Tage lang (09.-11.05.1917) im Feldlazarett 256 behandelt.

Über die Geschwindigkeit, mit der die Verwundeten nach der Rückeroberung Fresnoys vom Kampfschauplatz medizinisch versorgt werden, schreibt Divisionskommandeur General Nikolaus von Endres in seinem Tagebuch bereits zwei Tage nach dem Sturm, am 10. Mai 1917 folgendes:

Besuch auf dem hiesigen Hauptverbandsplatz, es sind nur noch wenige Schwerverwundete da. Gegen 600 Verwundete sind bereits in die Heimat befördert. Dieses rasche Zurückschaffen ist wirklich gut organisiert.

Franz gehört noch nicht zu diesen etwa 600 Leichtverwundeten, die schon auf dem Weg nach Hause sind. Da seine Verletzungen schwer sind und offenbar noch keinen Heimtransport zulassen, kann er erst am 12.05. ins Kriegslazarett nach Lille verlegt werden, wo er noch ca. eine Woche bleibt.

Württembergisches Feldlazarett 253 – Weihnachten 1916 in der Kirche von Bantouzelle (Quelle: Volksbundarchiv)

Der Krankentransport von Lille nach München beginnt am 18.05.1917. Am 20.05. wird Franz Mack bereits im Reserve-Lazarett München aufgenommen. Die Rückfahrt in die Heimat erfolgt in einem Lazarettzug. Möglicher Weise handelt es sich um den so genannten “Bayerischen Vereinslazarettzug V3”, der ab April 1915 an der Westfront eingesetzt wurde und im Standquartier Baroncourt an der Bahnlinie Sedan-Conflans bereit stand (an dieser Stelle herzlichen Dank an das Siemens Unternehmensmuseum für Medizinische Technik in Erlangen für die freundliche Freigabe des unten stehenden Fotos!).

Bayerischer Vereinslazarettzug V3
Die Doktoren Bergleiter und Moler auf Visite im “Bayerischen Vereinslazarettzug V3”. (Bild: Siemens MedMuseum)

In der mündlichen Überlieferung innerhalb der Familie Mack heißt es, dass Franz Mack seine Verbände auf dieser dreitägigen Fahrt mehrfach “durchgeblutet” habe. Die Fahrt im Lazarettzug muss dennoch für damalige Verhältnisse relativ komfortabel gewesen sein. So war der “Bayerische Vereinslazarettzug V3” (Kosten 1914: ca. 80.000 Mark) mit insgesamt 26 Wagen ausgestattet. 16 davon waren Krankenwagen mit insgesamt 202 Bettenplätzen für verwundete Soldaten. Neben Küchen- und Vorratswagen verfügte der Zug auch über einen modernen Operationswagen.

Sollte Franz nicht in genau diesem Zug transportiert worden sein, dann sicher in einem ähnlich ausgestatteten Lazarettzug.

Um den Blutzoll, den Franz’ 21. Infanterie-Regiment beim Sturm auf Fresnoy zahlen musste, zu verdeutlichen, zitiert Divisionskommandeur von Endres einen Tag nach dem Sturm, am 09. Mai den Morgenbericht der Division folgendermaßen:

Verluste bei uns seien schwer. 10. Brig(ade) schätzt sie bis gestern Abend vor dem Einsetzen des starken feindl.(ichen) Art.(ittlerie)Feuers beim 21. R(e)g(imen)t auf 400 (…) Mann. (…) Beim 21. u.(nd) 19. R(e)g(imen)t gibt es keine geschlossenen Verbände mehr, sondern nur noch Kampfgruppen mit Namen ihres Führers.

Am 14. Mai gibt von Endres die Verluste der gesamten Division auf 1444 Mann an. Das 21. Infanterie-Regiment hatte demnach die größten Verluste: 5 getötete Offiziere, 101 getötete Mannschaftsdienstgrade. Verwundet wurden 13 Offiziere und 433 Mannschaftsdienstgrade. 106 Regimentsmitglieder wurden als vermisst angegeben.

Ungeachtet dieser Verluste resümiert von Endres nach der erfolgreichen Rückeroberung Fresnoys durch seine Männer zwei Tage zuvor, am 12. Mai:

Ein schöner Erfolg, eigentlich der erste sichtbare während des ganzen Krieges, liegt hinter mir. Meine Division hat sich sehr gut geschlagen u.(nd) einen gerade in der jetzigen Zeit recht bedeutsamen Erfolg erzielt. So schließe ich dieses Tagebuch befriedigt. Gott helfe weiter!

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