Opas Krieg und der Grimme Online Award

Ich hätte es beinahe selber nicht mitbekommen: Zu träge, um ins Bett zu gehen, saß ich gestern Abend auf der Couch und griff gedankenlos zum Smartphone. Aus Langeweile patschte ich auf die Google Analytics-App. Mit Analytics kann man sich als Webseiten-Betreiber so allerlei (anonymisierte) Statistiken anzeigen lassen: Wie viele Besucher hat meine Seite? Aus welchen Ländern kommen sie? Welchen Browser oder welches Mobilgerät benutzen sie? Und: Über welche Webseiten sind sie letztendlich auf opaskrieg.de gelandet?

Mir fiel auf, dass in den letzten Tagen einige Besucher über die Website grimme-institut.de zu Opas Krieg gekommen waren. Mit etwas erhöhter Aufmerksamkeit gab ich also die Wortkolonne „Grimme Institut Opas Krieg“ ins Suchfenster von Google ein.

Screenshot vom Screenshot: So berichtet "quergewebt" über Opas Krieg.
Screenshot vom Screenshot: So berichtet „quergewebt“ über Opas Krieg.

Und Überraschung: Jemand hatte Opas Krieg in der Vorschlagphase für den Grimme Online Award auf die Liste gesetzt! Und noch eine Überraschung: Der Blog des Grimme Online Award, quergewebt, hatte bereits vor einer Woche über publizistische Webprojekte geschrieben, die sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinander setzen und dabei auch Opas Krieg erwähnt! Jetzt war ich wieder völlig wach.

And the Grimme Online Award goes to…

Konkret bedeutet das: Opas Krieg ist in diesem Jahr eines der rund 1.400 Webprojekte, die der Nominierungskommission des Grimme Instituts vorgelegt werden. Die Kommission wählt dann aus dieser Liste ihre Nominierungen in den Kategorien „Information“, „Wissen und Bildung“, „Kultur und Unterhaltung“ sowie „Spezial“. Außerdem gibt es noch einen Publikumspreis, so dass am Ende maximal acht Grimme Online Awards vergeben werden. Und auf dieser Liste steht nun auch unumstößlich Opas Krieg drauf!

Auf der Seite des Grimme Instituts heißt es:

Gesucht werden Angebote, die publizistische Qualität und innovativen Onlinejournalismus weiterdenken. Unter den bisher eingegangenen Vorschlägen finden sich viele, die relevante soziale oder politische Fragen behandeln, die den Nutzer in Kriegs- und Krisenregionen mitnehmen, in die Arktis, oder gar ins Weltall. Auch historische Schwerpunkte lassen sich erkennen: Das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls und der Beginn des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren wurden im vergangenen Jahr vielfach aufwändig für das Netz aufbereitet.

Der Grimme Online Award 2008 [Foto: Elya/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)]
Der Grimme Online Award 2008 [Foto: Elya/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)]

Opas Krieg hat also nun tatsächlich die Chance für einen der renommiertesten Preise für deutschsprachige Webangebote nominiert zu werden! Zwar ist die Chance auf eine Nominierung gering (die auf den tatsächlichen Preis noch viel geringer), dafür ist es aber ein interessantes Gefühl von Wertschätzung, im gleichen Zusammenhang mit Online-Angeboten von etablierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder großen Verlagshäusern genannt zu werden und sich vielleicht sogar mit ihnen in bester David gegen Goliath-Manier messen zu dürfen! 😉

Wie auch immer das Ganze ausgehen mag: Ich bin schon jetzt überwältigt von den Bahnen, die 100 Jahre alte Postkarten eines einfachen Lederzuschneiders ziehen und werde mich auf jeden Fall jetzt von Google Alerts über jeden neuen Text im Internet informieren lassen, in dem die Worte „Opas Krieg“ vorkommen! 😉

CM

Enkel von Franz Mack. Studierter Historiker, ausgebildeter Journalist, Blogger und Autor. Dreht Filme als dervideograf.de.

8 comments On Opas Krieg und der Grimme Online Award

  • Moinsen,

    kurz das Organisatorische: maximal 30 Nominierungen kann es geben, das sind dann die Möglichkeiten aus denen bei der Wahl zum Publikumspreis ausgewählt werden kann. Als Mitglied der #GOA15-NomKom kann ich nur sagen: Hut ab vor allen Publikums-Abstimmenden, die sich tatsächlich alle Nominierten in Ruhe anschauen und abwägen. Nachdem der Postillon 2013 und LeFloyd 2014 Publikumslieblinge waren, wird klar, dass eine gewisse bestehende Reichweite allerdings ein ordentliches Pfund ist.

    Es war für mich überraschend, dass neben den Medienhäusern und Bildungseinrichtungen, von denen man historische Rückblicke erwarten darf, auch mehrere familiäre Webprojekte zum ersten Weltkrieg in der Sichtung auftauchten. Schön, dass sowas wie Feldpostkarten oder Briefe den Weg ins Netz gefunden haben. Die Datenflut konzentriert sich ja vor allem auf die letzten 15-20 Jahre, als die Inhalte quasi in Echtzeit entstanden. Blogs und später Social Networks haben das publizieren im www stark vereinfacht, aber auch verändert. User Generated Content wird vielfach auch User Related Content, dreht sich um den Blick aus dem Fenster, die gerade gelesene und empfohlene Fremd-Webseite oder die Zugverspätung…

    Da lassen mir als Webseiten-Bastlerin der späten 90er, dann literarischer Bloggerin nach der Jahrtausendwende und inzwischen (nicht nur) Webredakteurin, solche Fundstücke wie dieses hier immer wieder das Herz aufgehen. Der eigenen Geschichte nachspüren, etwas zur Verfügung stellen, das einmalig und authentisch ist… Ohne Gatekeeper wie Verlage oder Redaktionen oder Buchhandel… Das kann man halt ohne große Kosten nur im Netz.

    Darum wünsche ich noch viele weitere Besucherinnen und Besucher, die eintauchen und den Spuren von Opa Franz folgen.

    Internette Grüße
    Friederike Sobiech

    • Hallo Friederike,
      erstmal vielen Dank für diese „Innensicht“ zum Thema Online-Award! 🙂
      Ich persönlich habe zuvor auch für die angesprochenen Gatekeeper redaktionell gearbeitet. Und tatsächlich genieße ich es grade unheimlich, mit OpasKrieg.de einfach „mein Ding“, völlig unabhängig von irgendwelchen CvDs oder Programmchefs durchziehen zu können – auch wenn’s hier jetzt nur „um die Ehr'“ geht. Ich glaube in Redaktionen wird auch viel Arbeitswillen, Motivation und Mut im Keim erstickt, weil sich oft nur auf altbewährtes verlassen wird.
      Vielen Dank also für die netten, aufmunternden Worte und viele liebe Grüße
      Christian

      • Hallo Christian,

        ich will die Redaktionen jetzt nicht auf ihr Gatekeeping reduzieren. Du wirst es noch besser als ich wissen, wie journalistische Herangehensweise, ein bestimmtes Portfolio an Formaten, der Stil des Hauses usw. die Arbeitsergebnisse dort prägen. Der Freiraum, sich auszuprobieren – zum Beispiel mit dem Vorlesen und Abspielen via Soundcloud – und eine Darstellungsform zu wählen, die eigenständig(er) ist, besteht bei „privaten“ Projekten im Web halt in höherem Maß, als im redaktionellen Alltag. Vom Aufwand-Nutzen-Berechnen in den Verlagshäusern will ich gar nicht erst anfangen…

        Wir haben in diesem Jahr stärker als in den letzten Jahren den Mut zum aufwändigeren Online-Stück in den Redaktionen vorgefunden. Was mich dabei etwas überrascht hat war, dass ich die Sachen trotzdem selten „passiv“ via Twitter-Empfehlung oder beim Stöbern auf den „normalen“ Nachrichtenseiten der Häuser entdeckt hab, sondern sie über die Einreichung zu Gesicht bekam. Nicht immer war es eine Einreichung aus der Redaktion. Aber irgendwie nimmt der schnelllebige Alltag den Raum nahezu komplett in Anspruch und die durchaus zeitloseren Specials fristen ein Hinterbänklerdasein. Vielleicht auch, weil sie von der Print-Redaktion initiiert wurden und darum im gedruckten Produkt „beworben“ wurden?

        Hach, ich könnt da ja jetzt ne Weile fachsimpeln. Zwei Tage NomKom-Sitzung letzte Woche haben mich wohl noch nicht ausgelastet. Ich will das hier aber auch nicht zu sehr ins off-topic geraten lassen. Vielleicht wird es irgendwann in meiner Familie auch noch Erbstücke aus der Zeit meines Großvaters im und nach dem 2. Weltkrieg geben. Er kam in einem der letzten Züge in den 1950ern erst zurück. Dann wäre es mein Job, das vielleicht 2044-2053 zu publizieren. Wie auch immer wir dann publizieren werden 😉

        In diesem Sinne. Eine schöne Zeit noch bei der Aufbereitung der Feldpostkarten und mit der Leser/innen-Resonanz.

        Friederike

        • So lange Redaktionen noch von „neuen Medien“ sprechen, überrascht mich eigentlich gar nix 😉
          Aber man sagt ja auch noch „neue Bundesländer“…

          Von meinem Opa mütterlicherseits existiert auch noch Feldpost aus dem Zweiten Weltkrieg. Er war nach dem Krieg in französischer Gefangenschaft.

          Möglicherweise gibt es also tatsächlich ab 2039 „Opas Krieg 2“ – vielleicht gibt es dann die „neuen Medien“ schon gar nicht mehr und wir bekommen „ganz neue“ 😀

  • Hallo Herr Mack,
    danke für das tolle Projekt und die klasse aufgebaute Internet-Seite! Es macht große Freude die Postkarten Ihres Opas zu lesen und mehr über diese Zeit zu erfahren.
    Für den Grimme-Online-Award drücke ich ganz fest die Daumen! Gibt es eine Möglichkeit selbst über die dort nominierten Projekte abzustimmen?
    Viele Grüße und alles Gute!

    • Hallo Frau von Wahl,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und das Lob! 🙂
      Was den Grimme-Online-Award betrifft: Es gibt tatsächlich auch einen Publikumspreis für den die User dann voten können.
      Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt es aber (ebenso wie die Nominierungen für die „nomalen“ Kategorien) in der Hand der Jury, wer hierfür in Frage kommt.
      Besten Dank und viele Grüße
      Christian Mack

  • Herzlichen Glückwunsch zu dieser wunderbaren Überraschung! Ich würde sagen: da gehört Opas Krieg hin und drücke die Daumen, dass es noch den einen oder anderen Level weitergeht. Und ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass ich auch schon ungeduldig (und immer wieder) auf die nächste Postkartenzustellung warte…

    • Dankeschön! Ab jetzt ist alles „Kür“ und wird genossen 😉
      P.S. Die nächste Karte bringt erst der Osterhase.

Leave a reply:

Your email address will not be published.

Site Footer